Mit Liebe handgemacht in Bayreuth

27. Oktober 2025 · 9 Min. Lesezeit Kranz

Blumenkränze auf Hawaii

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Inhalt
Kurz & Knapp

Ein hawaiianischer Lei ist weit mehr als eine Blumenkette: Er gehört zu einer lebendigen kulturellen Tradition, bei der Material, Anlass, Herstellung und persönliche Beziehung eine wichtige Rolle spielen. Wer einen Lei erhält oder sich mit der Tradition beschäftigt, sollte respektvoll mit seiner Bedeutung umgehen und pauschale Regeln oder vermeintlich feste Symboliken vermeiden. 

Ein Lei gehört zu den bekanntesten Symbolen Hawaiʻis. Er kann aus Blüten, Blättern, Samen, Muscheln, Federn oder anderen Materialien gefertigt und um Hals oder Kopf getragen werden. Häufig wird er als Zeichen von Zuneigung, Dank, Respekt, Willkommen oder Anerkennung verschenkt.

Dabei ist ein Lei nicht einfach eine beliebige Blumenkette und auch kein touristisches Kostüm. Er gehört zu einer lebendigen hawaiianischen Kultur, in der Anlass, Material, Herstellung und persönliche Beziehung eine Rolle spielen können. Bedeutungen sind jedoch nicht immer starr festgelegt: Sie unterscheiden sich je nach Familie, Insel, Anlass und kultureller Praxis.

Was bedeutet das Wort „Lei“?

Das hawaiianische Wörterbuch Wehewehe führt „lei“ unter anderem als Schmuck für Kopf oder Hals, als Kranz beziehungsweise Girlande und als Symbol der Zuneigung. Auch geliebte Personen können im übertragenen Sinn als „lei“ bezeichnet werden.

Die oft verwendete Übersetzung „Blumenkette“ greift deshalb zu kurz. Nicht jeder Lei besteht aus Blumen, und nicht jeder wird um den Hals getragen. Ein Kranz für den Kopf heißt lei poʻo. „Haku“ bezeichnet dagegen eine Herstellungstechnik und ist nicht das allgemeine hawaiianische Wort für einen Kopfkranz.

Herkunft und Geschichte der Lei-Tradition

Lei-Traditionen haben Wurzeln in Polynesien. Polynesische Seefahrer brachten Pflanzen, Wissen und kulturelle Praktiken nach Hawaiʻi. Bei der zeitlichen Einordnung der ersten Besiedlung gab es lange unterschiedliche Annahmen; eine häufig zitierte archäologische Auswertung ordnet die erste Kolonisierung ungefähr zwischen 1000 und 1200 n. Chr. ein.

Native Hawaiians fertigten Lei aus den auf den Inseln verfügbaren Materialien. Sie wurden als Schmuck getragen und konnten Rang, Beziehung, Anlass oder Zugehörigkeit sichtbar machen. Nach Angaben der offiziellen Tourismusseite Hawaiʻis trugen insbesondere aliʻi, also Angehörige des Adels, Lei auch zur Kennzeichnung ihres Ranges.

Das heute bekannte Überreichen eines Lei zur Begrüßung entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. GoHawaii weist darauf hin, dass die traditionelle Übergabe nicht identisch mit der später etablierten touristischen Willkommenszeremonie war. Früher konnte ein Lei umgebunden werden, statt ihn einfach über den Kopf der empfangenden Person zu legen – der Kopf und der Rücken einer Person wurden dabei als besonders zu respektierende Bereiche verstanden.

Im 19. und 20. Jahrhundert veränderten neue Pflanzen, Handel, Einwanderung und Tourismus die sichtbare Lei-Kultur. Das macht heutige Formen nicht automatisch weniger authentisch: Eine lebendige Tradition kann sich entwickeln, ohne ihre kulturelle Bedeutung zu verlieren.

Aus welchen Materialien wird ein Lei gefertigt?

Ein Lei kann botanische und nicht botanische Materialien verbinden. Dazu gehören beispielsweise:

  • frische Blüten und Knospen
  • Blätter, Ranken und Farne
  • Früchte, Samen und Nüsse
  • Muscheln
  • Federn
  • Stoff, Bänder oder Garn

Material und Technik richten sich nach Anlass, Verfügbarkeit, Insel und Wissen der Person, die den Lei herstellt. Deshalb wäre es falsch, jeder Pflanze überall dieselbe feste Bedeutung zuzuschreiben.

Häufig bekannte Pflanzen und Materialien

MaterialEinordnung
Maileeine duftende einheimische Ranke; häufig offen getragen und bei bedeutenden Anlässen verwendet
Pīkakestark duftende weiße Blüten des Arabischen Jasmins; beliebt für feine, mehrreihige Lei
LāʻīBlätter der Ti-Pflanze; können vorbereitet, gedreht oder geflochten werden
KukuiNüsse des Kukui-Baums; poliert oder naturbelassen für feste Lei verwendet
HalaBestandteile des Schraubenbaums; je nach Verarbeitung für farbige Lei genutzt
Orchideenheute häufig verwendete Schnittblumen, besonders in kommerziell angebotenen Lei
Pūpū o Niʻihausorgfältig ausgewählte kleine Muscheln von Niʻihau; Grundlage einer besonderen Inseltradition

Bei Begriffen wie „Schutz“, „Frieden“ oder „Neuanfang“ handelt es sich oft um kulturelle oder moderne Zuordnungen, die vom konkreten Kontext abhängen. Wer einen Lei für einen wichtigen Anlass auswählt, sollte deshalb die herstellende Person nach Material, Bedeutung und angemessenem Gebrauch fragen.

Die offiziellen Lei-Materialien und Farben der Inseln

Den acht Hauptinseln werden bestimmte Farben sowie Blumen oder Lei-Materialien zugeordnet. Diese Insel-Symbole sind nicht einfach eine allgemeine Liste spiritueller Bedeutungen:

InselFarbeOffizielle Blume beziehungsweise Lei-Material
HawaiʻiRotʻŌhiʻa lehua
MauiRosaLokelani
OʻahuGelbʻIlima
KauaʻiViolettMokihana
MolokaʻiGrünKukui
LānaʻiOrangeKaunaʻoa
NiʻihauWeißPūpū, also Muscheln
KahoʻolaweSilbergrauHinahina

Gerade bei einheimischen Pflanzen ist verantwortungsvolle Beschaffung wichtig. Die hawaiianische Naturschutzbehörde weist beispielsweise darauf hin, dass manche Hula-Praktizierende auf das Sammeln von ʻŌhiʻa lehua verzichten, um die Verbreitung der Pilzerkrankung Rapid ʻŌhiʻa Death zu vermeiden. Wild wachsende Materialien sollten deshalb nicht ohne Erlaubnis und ausreichende Artenkenntnis gesammelt werden.

Hana lei: die Kunst der Herstellung

„Hana lei“ lässt sich als das Herstellen eines Lei verstehen. Dafür gibt es unterschiedliche Techniken, die jeweils eigenes Materialwissen und Übung erfordern. Bekannte Begriffe sind unter anderem:

  • kui: Materialien werden mit Nadel und Faden aufgereiht
  • wili: Materialien werden um eine Basis gewickelt
  • hilo: vorbereitete Stränge werden gedreht
  • haku: Pflanzenmaterial wird in eine geflochtene Basis eingearbeitet
  • humu beziehungsweise humupapa: Materialien werden auf eine Unterlage genäht
  • hipuʻu: geeignetes Material wird durch Knoten verbunden

Nicht jeder Lei-Maker verwendet Begriffe und Varianten exakt gleich. Wer die Techniken lernen möchte, sollte nach einem Kurs bei einer hawaiianischen Kulturinstitution oder einer erfahrenen lokalen Fachperson suchen. Eine reine Bastelanleitung vermittelt nicht automatisch die kulturellen Zusammenhänge.

Bei der offiziellen Lei-Day-Darstellung der Stadt Honolulu wird beschrieben, dass große Sorgfalt bereits beim Sammeln der Materialien beginnt. Das Herstellen wird dort nicht nur als technische Arbeit verstanden: Die Person bringt auch ihre Aufmerksamkeit und ihr mana in den Lei ein. Solche Begriffe sollten nicht als dekorative Werbesprache verwendet, sondern in ihrem kulturellen Kontext belassen werden.

Zu welchen Anlässen werden Lei verschenkt?

Lei begleiten in Hawaiʻi viele persönliche und öffentliche Anlässe. Häufig sind sie bei:

  • Begrüßungen und Abschieden
  • Geburtstagen und Jubiläen
  • Schul- und Studienabschlüssen
  • Hochzeiten
  • Ehrungen und öffentlichen Feiern
  • Gedenken und Trauerzeremonien

Es gibt jedoch keine einfache Tabelle, nach der immer genau eine Pflanze zu einem Anlass gehört. Ein Lei kann durch das verwendete Material, die herstellende Person und die Beziehung zwischen Schenkendem und Empfangendem eine sehr persönliche Bedeutung bekommen.

Lei bei Hochzeiten

Bei Hochzeiten können Paare und Familien Lei austauschen. Maile und pīkake gehören zu den bekannten Materialien, doch die konkrete Gestaltung hängt von Familie, Herkunft und Zeremonie ab. Besucher sollten solche Bräuche nicht ohne Rücksprache als vermeintlich „typisch hawaiianisches“ Dekoelement übernehmen.

Lei bei Abschlüssen

Bei Graduations werden Absolventinnen und Absolventen häufig mit mehreren Lei geehrt. Neben Blumen-Lei gibt es heute auch Lei aus Bändern, Garn, Süßigkeiten oder gefalteten Geldscheinen. Moderne Materialien zeigen, dass die Tradition nicht statisch ist.

Lei bei Trauer und Gedenken

Lei können Gräber, Denkmäler oder Verstorbene ehren. Die Stadt Honolulu sammelt beispielsweise jedes Jahr Tausende frische Lei für die Gräber am National Memorial Cemetery of the Pacific. Das ist eine konkrete lokale Gedenktradition – keine allgemeine Aufforderung, Blumenkränze ins Meer zu werfen.

Lei Day am 1. Mai

Am 1. Mai wird in Hawaiʻi Lei Day gefeiert. Nach Angaben der Stadt Honolulu fand die erste Lei-Day-Feier am 1. Mai 1927 statt. Die erste Lei Queen wurde 1928 gekrönt.

Heute zeigt die Veranstaltung im Kapiʻolani Park unter anderem Lei-Wettbewerbe, Vorführungen, Workshops, Musik, Hula und kulturelles Protokoll. Im Mittelpunkt stehen das Können der Lei-Maker und die Weitergabe der Tradition. Eingereichte Blumen-Lei werden anschließend unter anderem an Mauna ʻAla und der Kawaiahaʻo Church niedergelegt, um Hawaiʻis aliʻi zu ehren.

Lei respektvoll geben und annehmen

Kulturelle Praxis ist vielfältiger als eine starre Liste von Geboten. Diese Grundsätze helfen Besuchern:

  1. Nimm die Geste ernst. Bedanke dich und behandle den Lei sorgfältig.
  2. Frage nach, bevor du ihn über den Kopf legst. Die empfangende Person kann den Lei auch selbst anlegen.
  3. Kommuniziere Allergien oder andere Gründe offen. Du kannst die Geste würdigen, ohne einen Lei tragen zu müssen.
  4. Lege ihn nicht achtlos ab. Wenn du ihn abnehmen musst, bewahre ihn ordentlich auf oder frage, was angemessen ist.
  5. Erfinde keine feste Bedeutung. Frage die schenkende oder herstellende Person nach dem konkreten Lei.

Der häufig wiederholte Satz, man dürfe einen Lei „niemals ablehnen“, ist zu absolut. Gesundheit, Religion, persönliche Grenzen und die konkrete Situation zählen ebenfalls. Respekt zeigt sich auch durch ehrliche, höfliche Kommunikation.

Lei in der Schwangerschaft

In manchen hawaiianischen Familien und Traditionen wird einer schwangeren Person ein offener statt eines geschlossenen Lei geschenkt. Die geschlossene Form kann dabei mit einer Nabelschnur verbunden werden. Das sollte als kultureller Brauch einzelner Kontexte erklärt werden – nicht als medizinische Aussage oder ausnahmsloses Verbot.

Was geschieht mit einem verwelkten Lei?

Ein Lei sollte nicht achtlos behandelt werden. Ihn deshalb pauschal ins Meer zu werfen, ist jedoch keine gute Empfehlung: Faden, Draht, Kunststoffbestandteile und nicht heimische Pflanzen können in die Umwelt gelangen.

Frage am besten die schenkende Person oder den Lei-Maker. Je nach Material kommen unterschiedliche Wege infrage:

  • unbehandelte Pflanzenbestandteile nach Entfernen aller Fäden und Fremdmaterialien angemessen kompostieren
  • den Lei trocknen und als Erinnerung aufbewahren, sofern sich das Material dafür eignet
  • ihn an einem passenden Ort niederlegen, wenn dies erlaubt und kulturell angemessen ist
  • Bestandteile nach den örtlichen Vorgaben entsorgen

Pflanzen oder Samen dürfen nicht einfach zwischen Ländern oder Inseln transportiert werden. Beachte bei Souvenirs die geltenden Einfuhr- und Quarantänebestimmungen.

Einen frischen Lei aufbewahren

Wie ein Lei gelagert wird, hängt von den verwendeten Pflanzen ab. Manche Blüten profitieren von kühler Lagerung, andere reagieren empfindlich auf zu niedrige Temperaturen oder zusätzliche Feuchtigkeit. Eine allgemeine Empfehlung wie „immer anfeuchten und in den Kühlschrank legen“ kann dem Lei deshalb schaden.

Frage beim Kauf nach konkreten Hinweisen. Grundsätzlich solltest du den Lei:

  • vorsichtig und ohne Druck transportieren
  • vor direkter Sonne und Wärme schützen
  • nicht mit Wasser besprühen, wenn der Lei-Maker dies nicht empfiehlt
  • von Lebensmitteln und empfindlichen Textilien getrennt aufbewahren, falls Pflanzen abfärben oder behandelt wurden

Nicht jeder frische Lei eignet sich zum Trocknen. Farbe, Duft und Form können sich dabei stark verändern.

Lei und Trockenblumenkranz sind nicht dasselbe

Ein hawaiianischer Lei ist tragbar und in eine konkrete kulturelle Praxis eingebunden. Ein Trockenblumenkranz von Farbenkranz ist dagegen ein dekoratives Objekt für das Zuhause. Gemeinsam ist beiden lediglich die kreisförmige Gestaltung mit Pflanzenmaterialien.

Deshalb wäre es unpassend, einem gewöhnlichen Dekokranz pauschal hawaiianische Spiritualität oder „Aloha-Energie“ zuzuschreiben. Wer sich von Farben und botanischen Formen inspirieren lässt, sollte die Herkunft des Lei benennen und keine religiösen oder kulturellen Bedeutungen als Verkaufsargument übernehmen.

Wenn du einen persönlichen Dekokranz für dein Zuhause suchst, kannst du bei Farbenkranz einen Wunschkranz anfragen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen traditionellen hawaiianischen Lei.

Häufige Fragen zum hawaiianischen Lei

Ist jeder Lei eine Blumenkette?

Nein. Lei können aus Blüten, Blättern, Samen, Nüssen, Muscheln, Federn, Stoff und weiteren Materialien bestehen. Sie können am Hals oder Kopf getragen werden.

Darf jeder einen Lei tragen?

Ein Lei kann Menschen unterschiedlicher Herkunft geschenkt werden. Entscheidend ist ein respektvoller Umgang. Besucher sollten kulturell oder religiös geprägte Formen nicht ohne Kontext nachahmen.

Muss ich einen geschenkten Lei annehmen?

Du solltest die Geste höflich würdigen. Wenn du den Lei wegen einer Allergie, persönlicher Grenzen oder eines anderen Grundes nicht tragen kannst, erkläre dies respektvoll und frage nach einer passenden Lösung.

Darf man einen Lei ins Meer werfen?

Das sollte nicht allgemein empfohlen werden. Fremdmaterialien, Samen und nicht heimische Pflanzen gehören nicht ins Meer. Frage vor Ort nach einer kulturell und ökologisch angemessenen Möglichkeit.

Kann ich einen Lei als Souvenir nach Deutschland mitnehmen?

Nicht ohne Prüfung. Frische Pflanzen, Samen, Früchte und andere Naturmaterialien können Einfuhrbeschränkungen unterliegen. Erkundige dich vor der Reise bei den zuständigen Behörden und beim Anbieter.

Was ist ein lei poʻo?

„Lei poʻo“ bezeichnet einen Lei, der am Kopf getragen wird. „Haku“ ist hingegen eine bestimmte Technik und sollte nicht als allgemeines Synonym für jeden Kopf-Lei verwendet werden.

Fazit

Ein Lei ist eine vielfältige hawaiianische Kunst- und Geschenkform. Seine Bedeutung entsteht nicht allein aus einer Blumenliste, sondern aus Material, Anlass, Herstellung und Beziehung zwischen Menschen. Wer als Besucher einen Lei erhält, zeigt Respekt, indem er zuhört, nachfragt und die Geste nicht auf eine exotische Dekoration reduziert.

Gerade weil die Tradition lebendig ist, gibt es nicht für jede Situation eine einzige verbindliche Regel. Lokale Lei-Maker und hawaiianische Kulturinstitutionen sind deshalb die besten Ansprechpartner, wenn du mehr lernen möchtest.

Quellen und weiterführende Informationen

Andrea Rusche
Über die Autorin Andrea Rusche

Gründerin von Farbenkranz. Bindet in Bayreuth handgemachte Trockenblumenkränze aus echten Naturmaterialien – und schreibt hier über Deko, Pflege und Anleitungen.

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