Du scrollst durch Instagram, blätterst durch Wohnmagazine oder besuchst eine Freundin – und plötzlich ist er da: Ein Adventskranz, der nicht auf dem Tisch liegt, sondern von der Decke hängt. Nicht nur einer. Sondern gleich vier. Übereinander. Wie eine grüne Lichtersäule mitten im Raum.
Verrückt? Vielleicht. Aber auch ziemlich genial.
Was ist ein vertikaler Adventskranz?

Der vertikale Adventskranz ist keine hippe Erfindung aus der Designerszene. Er ist eigentlich eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn der allererste Adventskranz hing genau dort, wo heute die modernen Versionen auch hängen: an der Decke.
Johann Hinrich Wichern, der Mann, der 1839 den Adventskranz erfand, hat nie an Tischdeko gedacht. Er nahm ein altes Wagenrad, hing es in seinem Waisenhaus in Hamburg auf und steckte Kerzen drauf. Viele Kerzen. 28 an der Zahl, für jeden Tag im Advent eine.
Erst Jahrzehnte später wanderte der Kranz auf den Tisch, wurde kleiner, handlicher. Vier Kerzen statt 28. Praktisch für die bürgerliche Stube.
Vier Etagen, eine Idee: So funktioniert das Prinzip
Der moderne vertikale Adventskranz nimmt diese ursprüngliche Idee auf und macht was Neues draus: Vier einzelne Kränze werden mit Bändern, Ketten oder Seilen verbunden und hängen übereinander – wie eine Etagere aus Tannengrün.
Die Abstände zwischen den Etagen? Meist 20 bis 30 Zentimeter. Die Größen? Oft gestaffelt – der unterste Kranz am größten, der oberste am kleinsten. Das Ergebnis: Eine beeindruckende Säule aus Licht und Grün, die Platz nach oben nutzt statt wertvollen Tischraum zu blockieren.
Wenn dir das Prinzip der vier Ebenen gefällt, du aber lieber auf dem Tisch bleibst, schau dir die Idee einer Etagere als Adventsbaum mit mehreren Ebenen und Moos an – das ist im Grunde ein vertikaler Adventskranz im Kleinformat, ganz ohne Bohrer.
Der Adventskranz, der eigentlich ein Kronleuchter war
Johann Hinrich Wichern und sein Wagenrad mit 28 Kerzen
Wichern war Theologe, aber vor allem war er pragmatisch. In seinem „Rauhen Haus“ lebten Kinder, die ständig fragten: „Wie lange noch bis Weihnachten?“
Seine Lösung: Ein Wagenrad als Countdown. Jeden Tag durfte ein Kind eine neue Kerze anzünden. Die großen weißen für die Sonntage, die kleinen roten für die Werktage. Das Rad hing horizontal von der Decke – ein Kronleuchter des Advents.
Stell dir das vor: 28 brennende Kerzen über den Köpfen der Kinder. Kein Wunder, dass diese Installation im Gedächtnis blieb.
Warum der erste Adventskranz von der Decke hing
Ein Wagenrad auf den Tisch stellen? Unmöglich. Zu groß, zu schwer, zu unpraktisch. Die Decke war die einzig logische Lösung.
Aber da steckt mehr dahinter. Ein hängender Kranz schafft etwas, das ein Tischschmuck nie kann: Er definiert einen Raum. Er markiert einen Ort. Er sagt: „Hier versammeln wir uns. Hier ist das Zentrum.“
Die Rückkehr zur ursprünglichen Form
Heute kehren wir zu dieser Idee zurück – allerdings mit einem Twist. Statt eines riesigen Rades gibt es vier separate Kränze, vertikal gestaffelt. Statt 28 Kerzen meist vier LED-Lichter pro Etage (dazu später mehr).
Was bleibt: Die Magie eines Lichts, das von oben kommt. Die Präsenz einer Dekoration, die nicht im Weg steht, aber trotzdem dominiert.
Welche Form passt zu dir? Die drei Grundtypen
Nicht jeder vertikale Kranz sieht gleich aus. Die Form entscheidet über die Wirkung – und über die Statik.
Der Tannenbaum-Look: Kränze werden nach unten größer
Die klassische Variante. Oben startet ein kleiner Kranz mit 30 Zentimeter Durchmesser, unten endet ein großer mit 60 Zentimetern. Dazwischen zwei mittlere Größen.
Warum das funktioniert: Die Form erinnert an einen Weihnachtsbaum. Vertraut, harmonisch, organisch. Außerdem ist sie statisch clever: Der Schwerpunkt liegt unten, wo der größte Kranz hängt. Das stabilisiert die ganze Konstruktion.
Für wen: Alle, die zum ersten Mal einen vertikalen Kranz bauen. Die konische Form verzeiht kleine Ungenauigkeiten und wirkt trotzdem stimmig.
Vielleicht merkst du beim Planen, dass dein Raum eher klare Kanten als runde Formen verträgt – dann ist der eckige Adventskranz eine spannende Alternative, die du ebenfalls vertikal denken kannst, etwa als gehängte Quadrate oder Rechtecke.
Die moderne Säule: Alle gleich groß
Vier Kränze, alle mit demselben Durchmesser. 40 Zentimeter zum Beispiel. Übereinander. Fertig.
Warum das funktioniert: Minimalistisch, architektonisch, klar. Diese Form passt perfekt zu modernen Wohnräumen mit klaren Linien. Sie wirkt wie eine Lichtskulptur, nicht wie Weihnachtsdeko.
Für wen: Menschen mit einem Faible für Design und Symmetrie. Aber Achtung: Hier muss alles exakt sein. Wenn auch nur ein Kranz schief hängt, sieht man es sofort.
Der dramatische Kronleuchter: Groß nach unten
Die invertierte Version: Kleine Kränze oben, große unten. Wie ein traditioneller Kronleuchter, der sich nach unten öffnet.
Warum das funktioniert: Theatralisch. Opulent. Dieser Look will gesehen werden. Die breite Basis zieht alle Blicke nach unten – ideal, wenn der Kranz über einem Esstisch hängt.
Für wen: Erfahrene Bastler mit Mut zu Drama. Die Aufhängung ist hier technisch anspruchsvoller, weil die Bänder nach außen spreizen müssen.
So hält das Ganze: Aufhängung und Verbindung
Jetzt wird’s technisch. Denn vier Kränze übereinander – das ist keine Bastelei für den Sonntagnachmittag. Das ist Physik.
Bänder an den Außenseiten: Die stabile Klassik-Variante
Die bewährte Methode: Du befestigst drei oder vier Bänder am Außenrand jedes Kranzes. Die Bänder verbinden die Etagen miteinander – wie Säulen aus Stoff oder Jute.
So geht’s:
- Positioniere die Aufhängungspunkte exakt im 120°-Winkel (bei drei Bändern) oder im 90°-Winkel (bei vier Bändern)
- Verwende stabile Materialien: Samt, dicke Jute oder geflochtene Kordeln
- Knote die Bänder fest oder fixiere sie mit Draht unter dem Grün
Vorteil: Die Bänder stabilisieren sich gegenseitig. Wenn ein Kranz mal angestoßen wird, zieht die Konstruktion sich selbst wieder gerade.
Nachteil: Die Bänder sind sehr sichtbar. Wenn du das nicht willst, musst du sie zum Teil des Designs machen – zum Beispiel mit dickem Samtband in Bordeaux als bewusstes Statement.
Bevor du in die Statik eines hängenden Konstrukts einsteigst, lohnt sich ein Blick in die Schritt-für-Schritt-Anleitung „Kranz aufhängen leicht gemacht“, in der du praktische Tipps zu Haken, Dübeln und Abständen bekommst, die du direkt auf deinen vertikalen Adventskranz übertragen kannst.
Die zentrale Kette: Schwebend und minimalistisch
Alternativ: Eine einzige Kette oder ein Stab durch die Mitte aller Kränze. Die Kränze „schweben“ auf dieser zentralen Achse.
Vorteil: Die Optik ist luftig. Die Kränze wirken, als würden sie frei im Raum hängen.
Nachteil: Physikalisch eine Herausforderung. Ein Kranz, der nur in der Mitte aufgehängt ist, kippt bei der kleinsten Unwucht. Du brauchst eine Hilfskonstruktion – zum Beispiel unsichtbare Drähte, die von der zentralen Achse zu drei Punkten am Kranzrand führen.
Was du beim Verbinden beachten musst
Egal, welche Methode du wählst:
- Gleichmäßigkeit ist alles. Wenn die Abstände zwischen den Etagen unterschiedlich sind, sieht das schnell chaotisch aus.
- Nivelliere jeden Kranz einzeln. Eine kleine Wasserwaage ist dein bester Freund.
- Teste die Aufhängung ohne Deko. Hänge erst die nackte Konstruktion auf, bevor du Kugeln und Kerzen hinzufügst. Das spart Nerven.
Trends 2025: So sieht der vertikale Kranz heute aus
Weihnachtstrends kommen und gehen. Aber 2025? Da gibt es vier klare Richtungen, die sich perfekt auf den vertikalen Kranz übertragen lassen.
Mocca Mousse: Beige, Creme und getrocknete Schönheit
Der Trend des Jahres. Monochrom in sanften Braun- und Beigetönen. Keine Tanne, sondern getrocknete Materialien.
Material: Gebleichter Ruscus, Pampasgras, getrocknete Hortensien, Lunaria (Judaspenning). Alles in hellen, pudrigen Farben.
Aufhängung: Rohe Jute-Seile oder beige Samtbänder. Makramee-Techniken, die aus der Boho-Welle übrig geblieben sind.
Warum das clever ist: Trockenmaterialien wiegen fast nichts. Dein Kranz wird leichter als mit frischer Tanne – und die Statik wird zum Kinderspiel. Außerdem nadelt nichts, staubt nicht und hält die ganze Saison.
Vielleicht willst du deinen hängenden Adventskranz komplett ohne Tanne gestalten – dann findest du in den 8 Inspirationen für moderne Adventskränze ohne Tanne viele Beispiele, wie Trockenblumen, Gräser und strukturreiche Zweige auch im Advent stimmungsvoll funktionieren.
Red Glow: Samt, Bordeaux und tiefes Grün
Die Rückkehr des Klassikers. Aber nicht in knalligem Weihnachtsmann-Rot, sondern in tiefen, satten Nuancen. Bordeaux, Ochsenblut, dunkles Weinrot.
Material: Nobilis-Tanne (die leicht blaustichige) oder klassische Nordmann-Tanne. Dazu rote Samtkugeln, keine Plastik-Billigware.
Aufhängung: Breite Samtbänder in Bordeaux. Die Bänder sind hier kein notwendiges Übel, sondern das zentrale Designelement. Sie verbinden die Etagen wie Säulen aus Samt.
Licht: Warmweiße LEDs, die den roten Samt von innen zum Glühen bringen. Kein kaltes Weiß!
Green Vitality: Wild, struppig und natürlich

Grün in Grün. Keine Kugeln, keine Schnörkel. Nur die Pflanze.
Material: Ein wilder Mix aus verschiedenen Koniferen – Kiefer, Zypresse, Wacholder. Dazu exotisches Blattwerk wie Eukalyptus (Populus oder Cinerea) und Olivenzweige.
Struktur: Der Kranz wird bewusst „messy“ gebunden. Asymmetrisch, mit abstehenden Zweigen. Wie ein Stück Wald, das zufällig von der Decke hängt.
Aufhängung: Unauffällige Nylonfäden oder dünne Drahtseile. Das Grün soll schweben, die Technik verschwinden.
Silent Sparkles: Metall, Pink und mutige Kontraste

Für alle, die es experimentell mögen. Schwarz mit Silber. Oder die mutige Kombination: Pink und Kupfer.
Konstruktion: Metallringe (Gold, Kupfer, Schwarz) bleiben teilweise sichtbar. Der „Scandi Ring“-Look – wo das Gestell selbst zum Design gehört.
Material: Gefärbter Spargel (Asparagus), gefärbtes Schleierkraut, Metall-Ornamente. Nichts, was nach klassischer Weihnacht aussieht.
Verbindung: Kupferketten oder schwarze Gliederketten. Industrial-Look trifft auf Advent.
Kann deine Decke das tragen? Die Wahrheit über Gewicht und Statik
Bevor du loslegst: Lass uns über Gewicht reden. Denn das wird oft unterschätzt.
Wie schwer wird so ein Kranz wirklich?
Frisches Tannengrün enthält Wasser. Viel Wasser. Ein einzelner, dicht gebundener Kranz mit 60 Zentimeter Durchmesser kann leicht 2 bis 2,5 Kilogramm wiegen. Nur das Grün.
Jetzt rechne mal hoch:
- Etage 1 (60 cm): ca. 2,5 kg
- Etage 2 (50 cm): ca. 1,8 kg
- Etage 3 (40 cm): ca. 1,2 kg
- Etage 4 (30 cm): ca. 0,8 kg
- Verbindungsmaterial (Bänder, Draht): ca. 0,5 kg
Gesamtgewicht: Zwischen 7 und 8 Kilogramm. Bei schwerer Nordmanntanne oder mit zusätzlichem Steckmoos? Locker 10 bis 12 Kilogramm.
Acht Kilo hören sich vielleicht nicht nach viel an. Aber wenn die an einem einzigen Punkt an deiner Decke hängen? Das ist eine Belastung, die du ernst nehmen musst.
Gerade wenn der Kranz über dem Esstisch hängen soll, hilft dir der Ratgeber „Welcher Kranzdurchmesser für den runden Esstisch?“, um die richtige Proportion zwischen Tischgröße, Sitzabstand und Kranzmaß zu finden – horizontal wie vertikal.
Betondecke vs. Rigips: Was geht, was geht nicht
Betondecke (Altbau, Massivbau): Kein Problem. Ein Standard-Spreizdübel (6 oder 8 Millimeter) mit einem passenden Schraubhaken hält in Beton Zuglasten von 50 Kilogramm und mehr. Dein Kranz könnte theoretisch aus Blei sein – die Betondecke hält.
Gipskarton / Rigips (Trockenbau): Hier wird’s kritisch. Eine einfach beplankte Rigipsdecke (12,5 Millimeter dick) ist nicht für schwere Zuglasten gemacht. Ein simpler Kunststoffdübel trägt vielleicht 10 bis 15 Kilogramm unter statischer Last – aber nur, wenn niemand am Kranz zieht, dagegen stößt oder beim Dekorieren dran rumzerrt.
Dynamische Lasten sind das Problem: Wenn jemand versehentlich gegen den Kranz stößt, entstehen Impulskräfte. Ein 8-Kilo-Kranz kann bei einem Stoß kurzzeitig mit 20 Kilogramm oder mehr am Dübel reißen. Dann versagt ein Standard-Rigipsdübel.
Diese Dübel brauchst du (und diese niemals!)
Für Rigips/Gipskarton – zwingende Pflicht: Metall-Hohlraumdübel. Auch Kippdübel oder Federklappdübel genannt. Diese spreizen sich hinter der Rigipsplatte auf und verteilen die Last großflächig. Ein M5 oder M6 Kippdübel kann an der Decke bis zu 20 bis 30 Kilogramm tragen.
Für Beton: Standard-Spreizdübel (Fischer DuoPower oder ähnlich) mit passendem Schraubhaken. Achte darauf, dass der Haken selbst stabil genug ist – manche dünnen Schraubhaken verbiegen sich unter Last.
Absolut tabu: Klebehaken. Powerstrips, Command Hooks, wie auch immer die heißen. Die sind für Bilder gemacht, nicht für 8-Kilo-Konstruktionen. Die versagen bei dauerhafter Zuglast über 2 Kilogramm, besonders auf porösen Untergründen wie Raufaser.
Warum echte Kerzen hier keine gute Idee sind
Ich weiß. Echte Kerzen haben diesen Zauber. Das Flackern, der Duft, die Tradition. Aber bei vier übereinander hängenden Kränzen? Vergiss es.

Das Problem mit der aufsteigenden Hitze
Physik: Warme Luft steigt. Die Hitze von den Kerzen auf dem untersten Kranz steigt direkt nach oben – genau in den darüberliegenden Kranz. Bei einem Abstand von nur 25 Zentimetern wird das Grün darüber extrem heiß.
Trockenes Tannengrün ist hochentzündlich. Wenn es erst mal brennt, geht das explosionsartig. Fachleute nennen das „Flashover“. Dein Wohnzimmer nennt das „Feuerwehreinsatz“.
Um Entzündung sicher zu verhindern, müssten die Abstände zwischen den Etagen mindestens 50 Zentimeter betragen. Dann hast du aber keine elegante Kaskade mehr, sondern vier Kränze, die irgendwo im Raum rumhängen.
LED-Technik, die endlich gut aussieht
Lange Zeit waren LED-Kerzen das, was niemand wirklich wollte. Kaltes Licht, künstliches Flackern, billiges Plastik. Aber das hat sich geändert.
Die aktuelle Generation – zum Beispiel von Luminara, Uyuni oder Deluxe Homeart – nutzt die „Moving Flame“-Technologie. Ein kleines Plättchen in Flammenform wird elektromagnetisch bewegt und von einer LED angestrahlt. Das Licht bricht sich am bewegten Plättchen und wirft realistische, tanzende Schatten.
Die Körper bestehen aus echtem Stearin oder Wachs. Mit rustikaler Oberfläche, mit Drip-Effekt, mit allem, was eine echte Kerze auch hat. Nur eben ohne Feuer.
Fernbedienung und Timer: Der praktische Alltag
Der entscheidende Vorteil: Du kannst alle Kerzen auf allen vier Etagen mit einem Klick einschalten. Kein Klettern auf die Leiter, kein Anzünden in halsbrecherischer Höhe, kein Löschen vor dem Schlafengehen.
Timer-Funktion: Stell den Timer auf 6 Stunden ein. Ab 18 Uhr leuchtet dein Kranz jeden Abend automatisch. Um Mitternacht geht er aus. Ohne dass du was tun musst.
Dimmbarkeit: 16 Kerzen (vier pro Etage) können ziemlich viel Licht abgeben. Mit der Dimm-Funktion regelst du die Stimmung – von „gemütliches Candlelight Dinner“ bis „ich muss hier noch arbeiten“.
Schritt für Schritt: So baust du deinen vertikalen Kranz
Jetzt wird’s praktisch. Hier ist die bewährte Methode, die auch bei vier Etagen funktioniert.
Was du brauchst: Material und Werkzeug
Kränze: Vier Stroh-Römer in abgestuften Größen (60, 50, 40, 30 cm) oder alle gleich groß (je nach gewähltem Typ).
Grün: Nobilis-Tanne, Nordmann-Tanne, Eukalyptus oder ein Mix. Rechne mit etwa 4 bis 5 Bund pro großem Kranz, weniger für die kleineren.
Verbindung:
- 3 bis 4 Samtbänder oder Jutekordeln pro Verbindung (insgesamt 9 bis 12 Bänder)
- Länge pro Band: 25 bis 30 cm (je nach gewünschtem Abstand)
- Stabiler Wickeldraht (grün)
Befestigung:
- Kippdübel (bei Rigips) oder Spreizdübel (bei Beton)
- Schraubhaken (Tragkraft mindestens 20 kg)
- Kleine Wasserwaage
Deko:
- 12 bis 16 LED-Kerzen (mit Fernbedienung)
- Wachs-Klebeplättchen oder Klettpunkte zur Befestigung
- Optional: Kugeln, Sterne, was auch immer dein Stil ist
Die vier Kränze vorbereiten und binden
Schritt 1: Umwickle die Strohkränze mit grünem Vliesband. Das verhindert, dass helles Stroh durchscheint – besonders wichtig an der Unterseite, die von unten sichtbar ist.
Schritt 2: Binde die Tannenzweige mit dem Dachziegelprinzip auf. Lege die Zweige überlappend an und fixiere sie mit Wickeldraht. Arbeite dich rundherum vor.
Schritt 3: Integriere bereits beim Binden drei Drahtschlaufen in jeden Kranz. Positioniere sie exakt im 120°-Winkel (oder bei vier Bändern im 90°-Winkel). Diese Schlaufen sind deine späteren Aufhängungspunkte.
Binde die Schlaufen unter das Grün in den Strohkörper ein. Das ist stabiler, als Bänder später einfach um das Grün zu wickeln.
Das Wichtigste: Die Unterseite nicht vergessen!
Häufigster Fehler: Du bindest den Kranz schön von oben und von außen – aber die Unterseite bleibt nackt. Stroh und Draht sind von unten zu sehen.
Beim vertikalen Kranz schaust du aber von unten drauf. Die Unterseite ist genauso sichtbar wie die Oberseite.
Lösung: Binde auch die Unterseite mit Grün. Oder verblende sie zumindest sauber mit Moos oder Vlies. Ein professionell aussehender Kranz ist von allen Seiten schön.
Die Etagen verbinden – mit dieser Technik klappt’s
Schritt 1: Lege den größten Kranz (60 cm) auf den Boden. Positioniere den 50-cm-Kranz mittig darüber.
Schritt 2: Verbinde beide mit den Bändern. Ziehe das Band durch die Drahtschlaufen beider Kränze und verknote es fest. Oder fixiere es mit Draht, wenn keine sichtbaren Knoten gewünscht sind.
Schritt 3: Miss den Abstand zwischen den Kränzen. Er sollte überall gleich sein – 25 Zentimeter zum Beispiel. Justiere die Bandlängen, bis es passt.
Schritt 4: Wiederhole das für die oberen Etagen. Am Ende hast du einen kompletten Turm, der noch auf dem Boden liegt.
Profi-Tipp: Nutze S-Haken oder kleine Karabiner an den Bandenden. Dann kannst du die Kränze „zusammenklicken“ statt zu knoten. Das erleichtert später die Lagerung – du kannst die Kränze einzeln abnehmen und verstauen.
Aufhängen und gerade ausrichten
Schritt 1: Befestige den Kippdübel in der Decke. Genau dort, wo der Kranz später hängen soll (meist über dem Esstisch).
Schritt 2: Hänge den gesamten Turm auf – noch ohne Deko. Nur das Grundgerüst.
Schritt 3: Jetzt kommt die Feinjustierung. Nimm eine kleine Wasserwaage und prüfe, ob jede Etage horizontal hängt. Justiere die Bänder, bis alles perfekt ausgerichtet ist.
Das dauert. Das nervt vielleicht. Aber dieser Schritt entscheidet darüber, ob dein Kranz professionell oder selbstgebastelt aussieht.
Damit dein Kranz nicht nadelt: Pflege und Materialwahl
Ein hängender Kranz unter der Decke ist einem feindlichen Mikroklima ausgesetzt. Heizungsluft steigt nach oben. Dort ist es am wärmsten – und am trockensten.
Sobald du zwischen frischem Grün und Trockenmaterial schwankst, hilft dir der Vergleich „Trockenblumen vs. Frischblumen“, um zu entscheiden, welche Variante besser zu deinem Aufwand, deinem Raumklima und der geplanten Nutzungsdauer des Kranzes passt.
Diese Zweige halten unter der Decke am besten
Abies nobilis (Edeltanne): Die erste Wahl. Nadelt auch im trockenen Zustand kaum, verfärbt sich nur leicht ins Graue. Sehr haltbar, auch unter Stress.
Abies nordmanniana (Nordmann-Tanne): Der Klassiker. Hält gut, ist aber schwerer als Nobilis. Die weicheren Nadeln können das Binden etwas erschweren.
Pinus strobus (Seidenkiefer): Wunderschöne, langhängende Nadeln. Perfekt für den Kaskaden-Effekt. Aber: Trocknet schneller aus als andere Nadelhölzer und wird brüchig.
Warum Eukalyptus gerade perfekt ist
Eukalyptus ist der Liebling des Jahres 2025. Und das aus gutem Grund: Er trocknet ein, ohne die Form zu verlieren. Man nennt das „mumifizieren“.
Er wird lediglich heller und etwas spröder. Aber er nadelt nicht, er staubt nicht übermäßig, und er hält die gesamte Adventszeit durch – und darüber hinaus.
Besonders Populus-Eukalyptus und Cinerea-Eukalyptus eignen sich für Kränze. Sie sind robust, biegen sich nicht krumm und passen perfekt zum Mocca-Mousse-Trend.
So bleibt das Grün frisch (oder trocknet schön ein)
Für frisches Grün:
- Besprühe den Kranz täglich mit destilliertem Wasser (verhindert Kalkflecken auf der Deko)
- Nutze Transpirationsschutz-Spray aus dem Floristikbedarf (z.B. „Elephant Skin“). Das schließt die Spaltöffnungen der Nadeln und minimiert Verdunstung
- Lüfte regelmäßig stoßweise. Das senkt die Temperatur unter der Decke kurzzeitig
Für Trockenkränze (Eukalyptus, Pampasgras): Einfach hängen lassen. Nicht besprühen. Der Kranz trocknet von selbst ein und behält seine Form.

Vorsicht bei Moos: Trockenes Moos bröselt extrem. Wenn du es besprühst, kann schmutziges Wasser auf Tisch oder Boden tropfen. Mooskränze daher nur sehr vorsichtig wässern – oder auf Moos verzichten.
Ist das was für dich? Wann der vertikale Kranz Sinn macht
Nicht jeder Raum, nicht jeder Mensch braucht einen vierstufigen Hängekranz. Das ist okay.
Wenn du beim Lesen merkst, dass dir die Deckenmontage doch zu heikel ist, kannst du den Look deines vertikalen Adventskranzes auch nach unten verlagern – zum Beispiel, indem du einen Adventskranz auf dem Tablett gruppierst und mehrere Ebenen dekorativ staffelst, statt sie aufzuhängen
Der vertikale Kranz ist perfekt für dich, wenn:
- Du wenig Stellfläche hast, aber hohe Decken (Altbau!)
- Du etwas suchst, das wirklich auffällt – nicht nur „schön“, sondern „wow“
- Du gerne bastelst und keine Angst vor etwas aufwendigeren Projekten hast
- Du einen zentralen Punkt im Raum brauchst – über dem Esstisch, im Treppenhaus, im Eingangsbereich
Der vertikale Kranz ist vielleicht nichts für dich, wenn:
- Du niedrige Decken hast (unter 2,40 Meter wird’s eng)
- Du Rigipsdecken hast und dir das Bohren nicht zutraust
- Du kleine Kinder oder sehr verspielte Haustiere hast, die am Kranz ziehen könnten
- Du klassische Tischdeko bevorzugst, weil du den Kranz gerne in die Hand nimmst und anfasst
Aber wenn du es machst? Dann mach es richtig. Mit stabilen Dübeln, mit sauber gebundenen Kränzen, mit LED-Kerzen und mit der Gewissheit, dass du etwas geschaffen hast, das nicht jeder hat.
Einen vertikalen Adventskranz zu bauen ist kein Bastelei für einen Nachmittag. Es ist ein Projekt. Aber wenn die vier Etagen fertig von deiner Decke hängen, die LEDs flackern und das Grün von oben herabschwebt wie eine Lichtsäule – dann weißt du, warum Johann Hinrich Wichern 1839 sein Wagenrad an die Decke gehängt hat.
Weil manche Dinge einfach besser sind, wenn sie von oben kommen.
